Geschichte der Feuerwehr Baven

Noch immer ist die Zeit der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Baven umstritten.

Der Feuerwehrarchivar und Ehrenvorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes Celle e.V., Albert Michaelis, sagt über die Gründung der Feuerwehr Baven: „Die Gründung ist nicht belegt. Nach dem heutigen Kenntnisstand – 2004 – hat es bis zur Eingemeindung in die Gemeinde Hermannsburg, 1929, in Baven keine freiwillige Feuerwehr gegeben. Mündliche Überlieferungen von älteren Mitbürgern, schriftliche gibt es nicht, müssen die gut funktionierende und mit Uniform versehene Pflichtfeuerwehr verwechselt haben. Die Nachforschungen sind noch nicht abgeschlossen.“

 

Jedoch weiß Michaelis auch, dass eine Gründung im Jahre 1907 nicht widerlegt werden kann. Mitglieder hätten im Jahre 1932 das 25-jährige Bestehen einer Feuerwehr in Baven gefeiert.

 

1907 wurde die erste Handdruckspritze für Baven beschafft. Man kann also nun von einem organisierten Löschwesen sprechen. Eigens für die Spritze errichtete man auf Dornhoffs Hof an der Müdener Straße ein Spritzenhaus.

 

Erich Schulze aus Hermannsburg, der im Juli 1982 eine ausgesprochen ansprechende und tiefgründige Feuerwehrchronik für Baven zu Papier brachte liefert einige Thesen einer Gründung. Er nennt als „entschlussfreudige“ Mitbürger der Freiwilligen Feuerwehr Baven im Jahre 1907:

 

Friedrich Bergmann („Piepers Fritz“), Wilhelm Ebeling, Willi Hacke, Wilhelm Harneit, Heinrich Heine, Heinrich Herbst, Heinrich Lange, Wilhelm Riggers, Heinrich Rißmann, Ernst Schulze, Heinrich Stuke und Andreas Voß.

 

Heinrich Stuke sei laut Angabe im Mitgliedsbuch seit dem Monat Oktober 1907 Mitglied der Wehr. „Es ist jedoch anzunehmen, dass die Gründung in Wirklichkeit früher erfolgte, da im selben Jahre noch das Gerätehaus gebaut und die Löschpumpe angeschafft wurde.“, so der Chronist. Leider fehlen urkundliche Zeugnisse ebenso wie eine Satzung aus damaliger Zeit.

 

Es ist jedoch überbracht, dass Friedrich Bergmann die Löschmannschaft von Beginn an etwas über zwölf Jahre führte.

 

[Bild der Löschmannschaft an der Brunau, 1907]

 

In einer Schuldverschreibung vom 26. Juni 1908 ist eindeutig die Rede von der neu gebildeten Pflichtfeuerwehr. Man folgte damit auch der Bestimmung der Polizeiverordnung von 1901, nach der in allen Orten Feuerwehren zu bestehen haben, seien es Freiwillige oder Pflichtfeuerwehren. Das hier gezeigte Prozedere begründet die außergewöhnliche Ausstattung einer Pflichtfeuerwehr mit einheitlicher Uniform, wie es das Gruppenfoto an der Brunau offenbart.

 

Bei der Pflichtfeuerwehr-Revision im Jahre 1909 schrieb der Kreisbrandmeister Paul Müller in seinem Bericht, dass in Baven vier Feuerteiche und mehrere wasserreiche Gräben vorhanden seien. Zur Wasserbeschaffung diente eine Spritze mit Druck- und Saugwerk. Der Gemeindevorsteher hieß Riggers, der Brandmeister Fr. Bergmann. Die Pflichtwehr, und nur sie war vorhanden, zählte zwei Steiger, zwölf Spritzenmannschaften, zwei Hornisten und vier Ordnungsmannschaften. Die Pflichtfeuerwehr zu Baven war vollständig ausgerüstet. Sie bediente eine Spritze mit Druck- und  Saugwerk und einer Zylinderweite von 115 Millimetern Durchmesser. 300 Meter Druckschläuche von 52 Millimetern Durchmesser waren vorhanden, außerdem für jeden Hof die vorgeschriebene Anlegeleiter und drei Laternen.

 

Nach Ende des ersten Weltkrieges gab der bisherige Hauptmann der Wehr, Friedrich Bergmann, sein Amt an den Schlachter Heinrich Herbst aus dem Stegebruch, wahrscheinlich aus Gesundheitsgründen (Kriegsverletzungen), ab.

 

Am 3. Mai 1931 wüteten unweit der Gleiskörper bei Baven Moor- und Heidebrände. Gleich zwei Mitteilungen befassen sich mit dem Engagement der Bavener Kameraden. In einem der Berichte wird das erste Mal von einer Freiwilligen Feuerwehr Baven gesprochen – ein Schreibfehler??

 

Am 11. März 1934 wurde eine neue Satzung der Freiwilligen Feuerwehr Hermannsburg aufgestellt. Dort heißt es im §13 zur Gliederung der Wehr:

 

1. Die Wehr besteht aus

 

a) dem Löschzug I        Ortsangabe Hermannsburg Kr. Celle

b) dem Halblöschzug II       “                  “                “

c) dem Halblöschzug III      “            (Ortsteil Baven)

 

Im Februar 1935 wurde das älteste Dokument der Freiwilligen Feuerwehr Baven, ein Kassenbuch in Oktav mit der Beschriftung „Frw. Feuerwehr / Halb Löschzug Ortsteil Baven“, begonnen. Die Belege fehlen, man weiß aber dass der Halblöschzug damals 34 Mitglieder hatte, die einen Monatsbeitrag von 20 Pfennigen leisteten. Mitgliedsbeiträge und Strafgelder bildeten die Einnahmequelle, der vor allem die Ausgaben für die jährlichen Kameradschaftsabende gegenüberstanden.

 

In den Zeiten des zweiten Weltkrieges hatte man Probleme genügend Mitglieder für die Löschmannschaften herbeizurufen, da viele in den Wehrdienst an die Front berufen wurden. Vertreten wurden diese Kameraden durch Frauen. Sie leisteten den Löschdienst in so genannten Damengruppen. Zu dieser Gruppe gehörten in Baven, wie Erich Schulz ermittelte:

 

Mariechen Bergmann, Mariechen Ebeling, Irmgard Hagemann, Anna Hoburg, Gertrud Knoop, Elisabeth Peters, Gertrud Pregitzer, Ella Dehning, Emma Röhrs, Marie Spielbrink und Emma Otte.

 

Jetzt, da die Not noch größer geworden war, hieß es in einem Rundschreiben: „Die Heranziehung zur Feuerwehr ist eine notwendige Kriegsmaßnahme. Sie erfolgt aufgrund eines Runderlasses der Deutschen Polizei.“

 

Das im Krieg angeschaffte neue Löschgruppenfahrzeug wurde einige Tage nach dem Einmarsch der Engländer durch fremde ehemalige Kriegsgefangene gestohlen. In einem Schreiben an das Straßen—Zentralamt des amerikanischen und britischen Besatzungsgebiets wurde der Verlust noch einmal gemeldet. Die Besatzung verfolgte den Fall aber nicht weiter, und das LF 8 blieb verschwunden.

 

1950 erhielt die Gemeinde Baven nach 21-jähriger Eingemeindung ihre Selbstständigkeit zurück. Die Freude war groß, und der Tag ist am 18. November nachträglich mit einem Festessen und vielen Reden und Ansprachen feierlich begangen worden.

Diesen Erfolg konnte unter dem Beistand seiner Kameraden, vor der damalige Zugführer des 3. Zuges, Wilhelm Meyer, für sich verbuchen. Nebenbei und im Stillen hatte er sein ganzes Geschick für eine selbstständige Bavener Feuerwehr eingesetzt. Seiner Kraft und Zielstrebigkeit war es zu verdanken, dass der 3. Zug der Hermannsburger Wehr aufgelöst wurde und es nun die Freiwillige Feuerwehr Baven gab.

 

Gastwirt und Hofbauer Alwin Lange besaß aus alten Kriegsbeständen eine tragbare Motorspritze (TS 8), für die sich die Freiwillige Feuerwehr Baven interessierte. Die Verhandlungen mit Heinrich Herbst und Heinrich Ebeling führten zu einer Begutachtung  am 22. November 1950. Kreisbrandmeister Schulz und Kreisschirrmeister Karl Plötzler nahmen das noch wertvolle Gerät in Augenschein. Pumpe und Motor der 800-Liter-Spritze wurden allgemein als gut befunden. Kleinere Mängel wurden in Eigenleistung repariert.

Der von Alwin Lange geforderte Kaufpreis in Höhe von etwa 1200,- bis 1300,- D-Mark machte etwa die Hälfte des Neupreises vergleichbarer Modelle aus.

Für die Handdruckspritze aus dem Jahre 1907 war nun kein Zweck und auch kein Platz mehr im Gerätehaus vorhanden. Nach längeren Überlegungen fand sich ein Unterstand bei Ebeling, der damals am Bahnhof wohnte. Das erwürdige Gerät, das der Wehr 44 Jahre lang gedient hatte, wurde im Jahr 1958 an einen Schrotthändler verkauft.

 

Ungefähr zur gleichen Zeit wurde ein Schlauchanhänger vom Fliegerhorst Faßberg erworben und für die Bavener Feuerwehr umgebaut. Nun konnte der Anhänger, bestückt mit Spritze, Schläuchen und Armaturen, von einem der drei im Ort befindlichen Trecker gezogen werden.

 

[Bild erste Wettkampfgruppe bei Wettbewerben in Müden]

 

Das Bild zeigt die erste Wettbewerbsgruppe der Freiwilligen Feuerwehr Baven im Jahre 1952. Anlass für dieses Foto waren die stattfindenden Wettkämpfe in Müden.

 

1954 löste Friedrich Bergmann den bisherigen Brandmeister, Wilhelm Meyer, ab.

 

[Gruppenfoto zum 50-jährigen Bestehen]

 

Anlässlich des 50-jährigen Bestehens fand eine Feier am 29. Juni 1957 im Saal des Gasthofes „Zu den Drei Linden“ statt.

 

Am 15. Mai 1958 erhielt die Wehr auftragsgemäß eine neue Metz-Tragkraftspritze TS 8/8 von der Firma Wilhelm Fr. Bode in Hannover, die mit einem 28-PS-VW-Motor ausgestattet war und mit Werkzeug, Zubehör und Fracht 3750,- D-Mark kostete

 

1966 wurde ein neuer Brandmeister gewählt. Mit großer Mehrheit (17:4 Stimmen) fiel die Wahl auf Gerhard Röhrs, der damit den seit 1954 amtierenden Friedrich Bergmann ablöste.

 

Im Jahre 1967 feierte die Feuerwehr Baven ihr 60-jähriges Bestehen und konnte das neue Gerätehaus einweihen, das die Mitglieder in sehr viel Eigenleistung errichteten. Schön war es außerdem, dass ein neues LF 8 TS übergeben wurde und gleich in dem neuen Haus einen Platz gefunden hatte.

 

Die Gebietsreform auf Landesebene ab dem 1. Januar 1973 schloss die Orte des Kirchspiels Hermannsburg zu einer Gemeinde zusammen. Die jeweiligen Gemeindebrandmeister wurden nun Ortsbrandmeister. Aus ihrer Mitte wählten sie den Gemeindebrandmeister. Dieses wurde der Wehrführer des Ortes Beckedorf, der Kamerad Heinrich Koch.

 

Am Sonntag, 10. August 1975, wurde gegen 12.30 Uhr ein Waldbrand zwischen Eschede und Oldendorf gemeldet. Nachdem bereits am Nachmittag alle verfügbaren Feuerwehrkräfte aus dem Landkreis Celle im Einsatz waren, wurden noch am späten Abend Tanklöschfahrzeuge aus den Landkreisen Soltau-Fallingbostel, Harburg, Stadthagen und Syke alarmiert. Wegen zunehmender und sich ständig drehender Winde dehnte sich der Waldbrand schnell weiter aus. Bei 34 Grad und starkem Wind bewegte sich einen Tag später eine drei Kilometer breite Feuerfront Richtung Celle. Französische Löschflugzeuge kamen zur Hilfe, vier Tage später waren rund 13000 Einsatzkräfte aus dem ganzen Bundesgebiet im Einsatz. Als der Brand am 15. August unter Kontrolle war, hatten die Flammen rund 6000 Hektar Wald-, Acker-, Moor- und Heidefläche vernichtet, 15 Gebäude, darunter zwei Wohnhäuser, in Starkshorn, Rebberlah und Hustedt zerstört.

 

1975 wurde der Jugendspielmannszug der Ortsfeuerwehr Baven ins Leben gerufen. Horst Wedau – ein zugereiser Munsteraner -, Woldi Kresse, Heinrich Winterhoff, Helmut und Irmgard Breckow hatten die Idee geboren, in Baven einen Spielmannszug zu gründen.

 

Am 15. Juni 1976 wurde die Jugendfeuerwehr Baven gegründet, sie bestand damals aus acht Mädchen und neun Jungen. Personell war eine gute Entwicklung zu verzeichnen. Bis zum Jahr 1983 stieg die Mitgliederzahl stetig. In den ersten zehn Jahren hatten die Feuerwehr der Gemeinde Hermannsburg 14 Jungen in den aktiven Dienst übernommen.

 

1982 feierte Freiwillige Feuerwehr Baven 75-jähriges Bestehen.

 

Im Jahr 2007 feierte die Feuerwehr Baven „100 Jahre organisiertes Löschwesen in Baven“. Zu diesem Anlass lud man zu einem dreitägigen Fest mit abschließendem Kreisfeuerwehrtag am Sonntag.

 

 

 

Eine ausführliche Chronik zum 100-jährigen Bestehen und der Geschichte der Feuerwehr Baven kann man über den Ortsbrandmeister Björn Haneke erhalten